Fliesenleger üben Kritik an EU-Politik

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Obermeister Reiter: Ohne Meisterzwang hat Murks Konjunktur

Bogen. (dw) Heftige Kritik übte anlässlich der Jahreshauptversammlung der Fiesenleger- und Kachelofenbauerinnung Obermeister Karl Heinz Reiter an dem Wegfall des Meisterzwangs für Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerfirmen. Seit 2004 müssten die von einer unverständlichen EU-Verordnung betroffenen   Fliesenleger arbeiten, ohne durch Meister legitimiert zu sein. Bereits seit acht Jahren protestiere man nun lautstark gegen den Zwang dieser ihnen von der EU aufgestülpten und verfehlten Politik. Als Folge daraus leidet die Qualität mit dem Ergebnis: Murks am Bau.

Als Leiter der Staatlichen Fraunhoferberufsschule in Straubing hieß Oberstudiendirektor Johann Dilger die aus dem gesamten Innungsbezirk Niederbayern angereisten Versammlungsteilnehmer in der Berufsschulaußenstelle Bogen herzlich willkommen und führte dabei aus: „Ich freue mich, dass Sie heute in dieser mit modernsten Maschinen ausgestatteten Schule tagen, die schon seit ihrer Gründung im Jahr 1985 mit besten Erfolgen Lehrlinge ausbildet.

Es gebe in der ganzen Region kei- ne andere Schule, die in Werkstätten und Personal diese hervorragende Ausstattung habe, wie die in Bogen. Leider wären die Schülerzahlen so weit gesunken, dass man um den Bestand des Standortes fürchten müsste. In den letzten Jahren wurde deshalb nur mehr einzügig unterrichtet, doch dürfte man das nächste Schuljahr wieder hoffnungsvoller dank mehr Anmeldungen und der Bildung von zwei elften Klassen angehen. Typisch deutsch hätten unsere Politiker den EU- Vorschlag sofort umgesetzt, so dass alle, die in EU-Ländern schon mal irgendwie Fliesen ohne Meisterbrief verlegten, das auch in Deutschland tun dürfen. „Damit wurde die seit 1948 gültige hervorragende Handwerksordnung abgewertet. Und noch schlimmer, es erfolgte mit der Novellierung dieser Ordnung im Jahr 2004 die Abschaffung der Meisterpflicht in allen unseren Bereichen.“ Dieser Wegfall habe nicht nur zu einem Rieseneinbruch bei den Lehrlingszahlen geführt, wetterte Obermeister Reiter. Noch gravierender sei nämlich die Zahl der Schäden und damit der Beschwerden aufgrund mangelnder Qualifikation für diese anspruchsvolle Tätigkeit gestiegen. „Hier müssen wir energisch der Unvernunft von Politikern gegensteuern, um unser bewährtes Meistersystem wieder einzuführen.“

Nach dem Verlesen des Vorjahresprotokolls durch Geschäftsführer Peter Hoft, oblag es dem Fachgruppenleiter der Fliesenleger, Hermann Müller, einen vielfältig aufgelisteten Tätigkeitsbericht vorzutragen. Auch darin ging er auf die fatalen Folgen und Auswirkungen der letzten acht meisterlosen Jahre ein.

„Nicht nur der Verlust an Qualität ist eklatant. Genauso hat sich die damalige Hoffnung neue Arbeitsplätze zu schaffen sogar ins Gegen- teil umgekehrt. Neu gegründete Betriebe ohne Meister gingen bald pleite, Ausbildungszahlen verringerten sich, Billigangebote führten zu unsachgemäß verlegten Fliesen-, Naturstein- und Estricharbeiten.“ Anschließend präsentierte Thomas Wallner, Fachgruppenleiter der Ofen- und Luftheizungsbauer, einen sehr wirksam aufgemachten Nachwuchswerbefilm. „Denn auch wir haben unter einem Rückgang von Lehrlingen zu leiden.“

Sehr interessiert nahmen die Besucher dann die Gelegenheit wahr, sich von der Ausstattung der Fliesenleger-Lehrwerkstatt zu überzeugen.

Quelle: Straubinger Tagblatt vom 26. März 2012

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