Fahrzeugtechnik goes eco

Veröffentlicht in Deutsch/Politik und Gesellschaft Aktuelles

„Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht.“
- Marie von Ebner-Eschenbach –

 

Myboo




Das Wissen und die Diskussion um einen nachhaltigen und reflektierten Umgang mit den Ressourcen unserer Erde ist fester Bestandteil des sowohl fachlichen als auch des allgemeinbildenden Unterrichts in allen Fachbereichen an unserer Schule.
Im Schuljahr 2020/2021 wurde im Fachbereich Fahrzeugtechnik aber ein besonderer Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit und Ökologie gesetzt: Unter der Leitung von Herrn Martin Hillmeier entstand eine Kooperation mit der Firma MyBoo, welche einzigartige Fahrräder und E-Bikes mit Bambusrahmen herstellt. Diese Rahmen werden dabei fair und nachhaltig in Ghana produziert und in Kiel montiert. Auf diese Weise verknüpft MyBoo mindestens zwei nachhaltige Ziele: die Verwendung der nachwachsenden Ressource Bambus beim Bau ihrer Fahrräder und die Förderung von sozialer Nachhaltigkeit in Ghana. Dieser soziale Aspekt beinhaltet beispielsweise eine angemessene Bezahlung der ghanaischen Arbeiter, welche den dort üblichen Mindestlohn um das zehn- bis zwanzigfache übersteigt oder die Übernahme der Kosten für deren Mittagessen.
Nach einer ersten Kontaktaufnahme durch den Fachbetreuer der Kfz-Abteilung, Herrn Hillmeier mit der Firma MyBoo, wurde das Projekt in allen drei Blockschienen der Auszubildenden im Zweiradbereich vorgestellt. Dies erfolgte – coronabedingt – durch Onlinevorträge im Klassenverband.
In den Vorträgen erfuhren die Schüler zunächst grundlegende Fakten über die Firma MyBoo. So lernten sie beispielsweise deren breit gefächertes Sortiment kennen und erweiterten ihr Wissen über die Eigenschaften von Bambus als Werkstoff und seine Werkstoffkennwerte wie seine hohe Zugfestigkeit, seine Dichte und seine hohe Steifigkeit.
Im Anschluss daran lag das Hauptaugenmerk des Vortrags aber auf der Darstellung der Zusammenarbeit mit den ghanaischen Partnern und das damit einhergehende, soziale Engagement der Firma MyBoo für Bildungsprojekte in dem westafrikanischen Land: So kauft die Firma MyBoo die benötigten Bambusrahmen aus Ghana, wobei der ghanaische Produzent der Rahmen völlig autonom bleibt.
Zu Beginn finanzierte jedes in Deutschland verkaufte Rad ein Schulstipendium in Ghana. Heute unterstützt jedes Rad die im Jahr 2019 in Ghana gegründete Yonso Project Model School. Hierbei wurden den Schülern beispielsweise 130 Bambusfahrräder zur Verfügung gestellt, mit denen sie in die Schule fahren können. Abschließend wurde es für die Schüler des Fachbereichs Fahrzeugtechnik besonders interessant, als es um die Thematisierung der Verarbeitung von Bambus als alternativen Fahrradrahmenwerkstoff ging. Hier standen vor allem die Eigenschaften von Bambus als nachwachsender Rohstoff (Bambus wächst am Anfang einen halben Meter pro Tag, in drei Jahren circa 25 Meter und kommt nach der Ernte wieder nach), seine Verarbeitungsbesonderheiten und die detaillierte Beschreibung der Herstellung des Fahrradrahmens im Vordergrund, bei dem beispielsweise Sisalfaser zur Herstellung der Verbindungen mit umweltfreundlichem Harz getränkt wird.
Die Vorträge endeten mit einer lebhaften und interessierten Abschlussdiskussion, in der noch zahlreiche fachliche Fragen beantwortet werden konnten. Eine weitere Vertiefung des Projekts und die Aufarbeitung ethischer, moralischer und ökologischer Dimensionen erfolgte zudem in den Fächern des allgemeinbildenden Unterrichts (Religion, Deutsch, Politik und Gesellschaft) bei Herrn Marco Steininger. Hinzu kam noch ein ganz praktisches Ziel: Die Schüler des Fachbereichs restaurieren in ihrer Freizeit (Heimunterbringung am Ort) in den Fahrradwerkstätten der Schule 2-3 alte Fahrräder, um den Erlös des Verkaufs an das Schulprojekt in Ghana zu spenden.


Neben der Sensibilisierung der Schüler für Nachhaltigkeit liegt die Besonderheit des Projekts auch in der Erweiterung ihres fachlichen KnowHows. In diesem Sinne stellt die Firma MyBoo der Schule ein Komplettrad und einen Rahmen für den Aufbau eines Fahrrades aus Einzelteilen zur Verfügung, die zum Vorzugspreis erworben werden konnten. Das Ziel dabei ist es, die fachlichen Kompetenzen der Schüler in Bezug auf das Thema alternative Ressourcen (Veranschaulichung und praktisches Arbeiten mit Bambus) weiter auszubauen, damit die jungen Erwachsenen diese Fähigkeiten mit in ihre Ausbildungsbetriebe hineintragen können.

Das Projekt im Bereich der Fahrzeugtechnik umfasst das komplette laufende Schuljahr 2020/2021: Die Vorträge und die Vertiefung im Unterricht bildeten dabei den Auftakt und fanden zwischen Februar und April 2021 statt, die Restaurierung der alten Fahrräder wird dann Anfang Juni bis Mitte Juli erfolgen. Der Verkauf der Räder und die Spende des Verkaufs werden Ende Juli abgeschlossen sein.

Das Kooperationsprojekt zwischen dem Fachbereich Fahrzeugtechnik und dem Radhersteller MyBoo zeichnet sich zum einen durch eine ökologische, zum anderen durch eine soziale Dimension aus, bei der die Förderung von globaler Gerechtigkeit im Mittelpunkt steht.
Bei der Verwendung von Bambus als alternativen Fahrradrahmenwerkstoff handelt es sich um eine schnell nachwachsende und somit nachhaltige Ressource, die herkömmlichen Werkstoffen in nichts nachsteht, denn laut Herstellerangaben ist Bambus „stabil wie Stahl, leicht wie Aluminium und komfortabel wie Carbon“. Zudem besticht der Rohstoff durch eine hohe Elastizität. Die Vermittlung der Vorteile von Bambus als ökologisches Material, das sich gut zum Bau von nachhaltigen Fahrrädern eignet, ist und war eines der Hauptziele des Projekts.

Ein weiteres Ziel der Kooperation zwischen Schule und MyBoo war die Sensibilisierung der Schüler für die sozialen Aspekte, die mit der Produktion von nachhaltigen Fahrrädern einhergehen: Zum einen stand hierbei die Darstellung der Produktionsbedingungen der Bambusrahmen in Ghana im Fokus und der damit verbundene nachhaltig positive Einfluss der Produktion auf das ghanaische Wirtschaftssystem. Zum anderen wurde – ausgelöst durch das Projekt – das Thema Nachhaltigkeit in den allgemeinbildenden Fächern verstärkt aufgegriffen und relevante Aspekte mit den Schülern diskutiert. So ging es im Unterricht beispielsweise um die Fragen, was Betriebe generell durch ein nachhaltiges Image erreichen wollen, welche Probleme für Firmen entstehen könnten, wenn sie nachhaltig und bewusst wirtschaften wollten und was eine echte von einer vorgespielten Nachhaltigkeit unterscheidet.

Obgleich das Projekt durch den Fachbetreuer der Fahrzeugtechnik initiiert wurde, war das Interesse der Schüler an der Thematik sehr groß. Dies zeigte sich vor allem in den ausgeprägten und lebhaften Diskussionen nach den Vorträgen von MyBoo und im allgemeinbildenden Unterricht. Im Fachunterricht fiel das Feedback der Schüler ebenfalls positiv aus: Vor allem der Vergleich mit herkömmlichen Rahmenwerkstoffen wie Carbon, Alu und Stahl war im Hinblick auf die Kennwerte, die Verarbeitung, die Haltbarkeit und die Umweltfreundlichkeit sehr interessant.
Ein Highlight des Projekts stellt natürlich die Bereitstellung eines Fahrrades mit Bambusrahmen für den fachlichen Unterricht der jungen Auszubildenden dar, denn so wird Nachhaltigkeit für die Jugendlichen ganz real erfahrbar. Die praktische Arbeit an diesem ökologischen Fahrrad schafft es außerdem, etwaige Hemmungen der Schüler gegenüber  des alternativen Rohstoffes abzubauen und Sicherheit im Umgang damit zu erlangen. So wurden die Schüler letztendlich von passiven Empfangenden zu aktiven Projektmitgestaltern.
Zusammenfassend ist und war es Ziel des Projekts, die jungen Auszubildenden im Zweiradbereich auf alternative und ökologische Werkstoffe aufmerksam zu machen. Wichtig war es außerdem, das fachliche Wissen der Schüler um nachhaltige und ökologische Aspekte zu erweitern, mit dem Ziel, dass die jungen Auszubildenden dieses Wissen in den Wirtschaftskreislauf hineintragen, danach auch handeln, um dann den zukünftigen, ökologischen Anforderungen ihres Berufsfeldes gerecht zu werden. Zudem war es wichtig, die Jugendlichen für die mit einer nachhaltigen Produktion verbundenen, sozial-ethischen Zusammenhänge, zu sensibilisieren.
Es ging also darum, nachhaltiges Denken und Handeln bei den Schülern anzuregen, ganz gemäß dem Motto: „Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht“.

Myboo


Anna Seitzer, Beauftragte für Energie und Umwelt

Besuch des MdEP Manfred Weber

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Am 8. Mai 2017 besuchte uns der Fraktionsvositzende Manfred Weber, um unseren Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort zu aktuellenThemen zu stehen. Herr Weber sprach zunächst die Schüler an, um für Europa zu werben, das die Vorteile eines vereinten Europas gegenüber den Nachteilen eindeutig überwiegt. Durch seine aufgeschlossene Art überzeugte er die Zuhörer für die Europäische Idee auch weiterhimn einzustehen.

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