Hochwasserhilfe

Veröffentlicht in BS1 Aktuelles

Schüler unterstützen Flutopfer in Fischerdorf

Gemeinsame Hilfsaktion von Berufsschule und Kreishandwerkerschaft

Unter dem Eindruck der existenzgefährdenden Schäden durch die Flutkatastrophe in und um unsere Nachbarstadt Deggendorf verzichteten die auszubildenden Feinwerkmechaniker der Klasse ME12B der Joseph-von Fraunhofer-Berufsschule letzten Donnerstag freiwillig auf die vorgesehene Lehrfahrt. Um der Bevölkerung in Fischerdorf zwei Tage lang in ihrer Not helfen zu können, opferten sie zudem ihren arbeits- und unterrichtsfreien Freitagnachmittag. Initiiert wurde die Hilfsaktion durch die Kreishandwerkerschaft Straubing und Kreishandwerksmeister Armin Stöckel.

Die Aktion wurde nicht nur von allen Seiten für gut geheißen, sondern auch tatkräftig unterstützt: Das Busunternehmen Ebenbeck Reisen GmbH in Straubing war vom Engagement der Schüler begeistert und stellte gleich an beiden Tagen Bus und Fahrer kostenlos zur Verfügung. Zur Mittagszeit rückte die Kreishandwerkerschaft, vertreten durch den Kreishandwerksmeister Armin Stöckel bzw. durch deren Geschäftsführer Andreas Mühlbauer an, um die fleißigen Helfer nicht zu knapp mit Leberkäse, Wurstsemmeln, Brezen, Gebäck und Getränken zu versorgen.

Am Koppelpunkt in Fischerdorf, einem Ortsteil von Deggendorf, wurden die 22 jungen Männer im Alter zwischen 18 und 22 Jahren an der dortigen Meldestelle in Vierergruppen aufgeteilt und zu den betroffenen Familien, Firmen und zu einer schwer in Mitleidenschaft gezogenen Moschee geschickt. Auf dem Weg dorthin wurde schnell klar, welche Arbeiten für die nächsten zwei Tage zu erwarten waren, denn aus den meisten Häusern dröhnten Presslufthammer- und Schlagbohrgeräusche. Die vom Fernsehen bekannten Schlammschichten waren nicht mehr zu sehen, ebenso wenig die Sperrmüllberge. Vielmehr waren die Straßenränder von Bauschutt und Containern belagert, die in regelmäßigen Abständen vom dortigen Abfallverband abgeholt wurden.

Und so war es dann auch: Hauptaufgabe war es, die bereits geräumten Gebäude bis zum Teil in das erste Obergeschoss vom Putz an Wänden und Decken und die Böden vom Estrich zu befreien. Ein Teil eines jeden Trupps bekam Presslufthämmer oder Hammer und Meißel in die Hand, ein anderer Teil Schaufeln, um mit Schubkarren den Schutt nach draußen zu befördern. Das war auch für die kräftigen Feinwerkmechaniker eine sehr anstrengende und schmutzige Arbeit, da deren Arbeitsalltag sich weniger auf einer Baustelle, als vielmehr in einer Werkstatt abspielt, in der CNC-Maschinen programmiert, Getriebe montiert und Produktionsanlagen überwacht und gewartet werden. Aber sie wissen als Handwerker, wie man an eine Arbeit herangeht und Werkzeuge in die Hand nimmt und führt.

Besonders motivierend und aufbauend war die große Anerkennung durch die Mitglieder der Familien, Firmen und Vereine, bei denen gearbeitet wurde. Regelmäßig wurden sie von den Gerüsten geholt, um zur Stärkung mit Brotzeit und Getränken versorgt zu werden. Und auch die begleitenden Lehrkräfte, Studiendirektor Michael Bremm und Oberstudienrat Uli Aschenbrenner, waren sehr stolz auf ihre Zöglinge, denn überall wurden sie wegen ihres unbändigen und ausdauernden Einsatzes gelobt.

Als zusätzliche Anerkennung sagte sich dann auch noch DONAU TV an und filmte die Schüler bei ihrer schweißtreibenden Arbeit. Im Interview brachte es der 20-jährige Fabian auf den Punkt: „Die Leute hier brauchen Hilfe – wenn ich einmal in Not bin, freue ich mich ja auch über die Unterstützung meiner Mitmenschen“.

Verschwitzt, mit verstaubten Haaren und verschmutzter Arbeitskleidung traten die jungen Männer am späten Nachmittag die Rückfahrt an. Müde, aber sichtlich zufrieden fuhren sie in dem Hochgefühl nach Hause, einigen Mitbürgern in ihrer großen Not geholfen zu haben. Und alle waren sich einig: „Morgen fahren wir wieder nach Fischerdorf. Es gibt noch viel zu tun!“

Michael Bremm, Studiendirektor
Schulleiter-Stellvertreter

Copyright © 2020 Staatliche Berufsschule I Straubing. Alle Rechte vorbehalten. | designed by lupographics.de