Haar im Bilde

Veröffentlicht in Körperpflege Aktuelles

Haar im Bilde – Frisierkunst und kreative Bildgestaltung
vereint zu modernen Interpretationen historischer Gemälde

Ein Gemeinschaftsprojekt unserer Schülerinnen, unterstützt durch die Friseurinnung Deggendorf, mit der fachpraktischen Ausbildung Gestaltung der staatlichen Fachoberschule (FOS)Straubing setzt neue Maßstäbe für offene Lehrformen, Talentförderung und Kooperation zwischen den unterschiedlichen Ebenen der beruflichen Bildung.
Die besten Ideen entstehen spontan. Diesem Credo folgend war sie plötzlich da, die Idee zum Projekt „Haar im Bilde“:
Berühmte Portrait-Gemälde dienten als Vorlage für kreativ umgesetzte, historische Frisuren, eingefügt in ein innovatives Entwurfskonzept.

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Diesen Gedanken ließ Fachoberlehrerin Sabrina Hingel erst einmal einige Wochen reifen. Kann man so etwas mit Auszubildenden im dritten Lehrjahr machen? Wie lange muss man trainieren? Wo findet man die Modelle? Und – die größte aller Fragen – wer macht die Fotos und das Design?

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Eine Information in der Lehrerkonferenz bringt die Lösung: „Die FOS/BOS des Fachbereichs Gestaltung hat ein neues Film- und Fotostudio – das wäre doch ideal!“. Ein Blick auf die Homepage stellte klar, dass hier die richtigen Partner für das Projekt gefunden sind. Der Kontakt war schnell hergestellt und Werkstattausbilderin Sascha Gratza ließ sich rasch begeistern: „Aber nur, wenn wir nicht kopieren, sondern kreativ interpretieren können.“ Die Antwort lag auf der Hand: „Kopieren kann jeder, wir sollten etwas Neues versuchen, etwas, das es so noch nicht gibt.“

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Nachdem ein Termin für die Ausführung gefunden war, ging es zunächst ans Auswählen der Motive, was sich zuerst schwieriger gestaltete, als gedacht. Die Gemälde mussten viele Kriterien erfüllen. Die Frisur der portraitierten Damen sollte handwerkliche Herausforderungen beinhalten, die Hintergrundgestaltung vielfältige Optionen für das Mediendesign bieten und nicht zuletzt musste ein geeignetes Modell vorhanden sein. Viele Bilder wurden begeistert vorgeschlagen und nach eingehender Diskussion wieder verworfen, bis endlich die vier passenden Vorlagen gefunden wurden.

Motiviert traten die beiden Lehrerinnen den Weg in ihre jeweiligen Klassen an, um den Schülern den notwendigen Input zu geben.

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Frau Hingel verankerte das Projekt im Lernfeld „komplexe Friseurdienstleistungen durchführen“. Hier finden Informationen über Stil- und Formelemente vergangener Epochen, das Anwenden aufwendiger Stecktechniken, das Anbringen von Haarteilen, der Einsatz von Drahtunterbauten, sowie das Erstellen von Foto-Make-ups kombiniert zu einem stimmigen Gesamtstyling ihren Platz.

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Nach der Vorstellung des Projektes erklärte die Lehrerin, dass sich die Schülerinnen zur aktiven Teilnahme erst einmal qualifizieren müssen. „Bei dieser Aufgabe ist höchstes Geschick gepaart mit Schnelligkeit und Stressresistenz gefragt. Ihr werdet nur drei Stunden Zeit haben, um die Modelle, an denen vorher nicht geübt werden kann, vorzubereiten.“

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Die Interessentinnen mussten ihre Motivation zur Teilnahme am Projekt in einer schriftlichen Bewerbung darstellen und mit konstant guten Leistungen während des vorbereitenden Unterrichts untermauern. So formierte sich ein siebenköpfiges Team bestehend aus Alina Reisch, Burcu Tan, Julia Roßmeier, Ramona Schweizer und Steffi Stadler für die Frisuren, Franzi Bleyer für die Nägel und Anna Vogl fürs Make-up.

Am 29.Februar 2016 betreten die Schülerinnen zusammen mit den Modellen noch relativ entspannt den Praxisraum. Doch sobald die Arbeitsplätze vorbereitet sind, steigt die Anspannung. Einmal Backstage-Luft schnuppern, den Adrenalinschub spüren, unter Zeitdruck zu Höchstform auflaufen, cool bleiben und selbstsicher den nächsten Arbeitsschritt ausführen – diese Situation wollten die Auszubildenden kennen lernen. Damit jetzt nichts schief geht, hat die Lehrerin Unterstützung aus dem Modeteam der Friseurinnung Deggendorf organisiert. Ramona Simmerl und Marco Gorgosch übernehmen mit Sabrina Hingel das Coaching für die Frisuren, während Andrea Voggensberger sich um die Make-ups kümmert.

Alle Handgriffe sitzen. Das Erstellen eines Lorbeerkranzes aus einer Haarfilzmatte und das Flechten eines Vierkantzopfes gelingen ohne Probleme und auch für unerwartete Schwierigkeiten wie tiefe-dunkle Augenringe finden sich rasch kompetente Lösungen.

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Stolz auf die Ergebnisse begibt sich nun die ganze Truppe hinüber in die FOS, wo das Foyer bereits zum Fotostudio umgestaltet ist. Der Empfang ist ausgesprochen herzlich und freundlich, aber ein Hauch von Aufregung ist auch hier zu spüren. „Spot, Fluter, Weichzeichen-Filter, Gatter, Bodenmarkierungen, Backdrop, ...“

13 Schülerinnen und Schüler der FOS Fachrichtung Gestaltung im Praktikum werfen angespannt mit Fachbegriffen um sich und hantieren mit Licht und Kamera- Ausrüstung. Sie sind erst ein halbes Jahr im Praktikum - immer im Wechsel mit der Schule - und schon Gestalter in einem großen Projekt. Jetzt müssen sie beweisen, dass sie es können: Erlerntes aus Grafik, Fotografie und Design sollen sie geschickt einsetzen und kombinieren.

Alles ist erlaubt! Nach einer inhaltlichen und analytischen Auseinandersetzung mit den Kunstwerken entwickeln die Schüler eine Abstraktion davon. Zum Einsatz dürfen plastische, zeichnerische, fotografische, malerische und grafische Elemente kommen, welche digital zusammengefasst und ansprechend gelayoutet werden. Da war erst einmal Kreativität gefragt: „Wie gehen wir mit ‚unserem Bild‘ um?“, „Was kann man weglassen oder überspitzen?“, „Wie gestalten wir den Hintergrund?“ Entscheidungen wie diese mussten die drei Teams erst einmal diskutieren und in Ihren Entwürfen optisch beantworten. Spannend auch die Frage, welches Model-Team der Berufsschule zuerst ankommen wird und welche Licht- und Kameraeinstellung zuerst benötigt wird.

Ein Ort - drei Aufbauten. Das heißt schneller Umbau und trotzdem genaues, ruhiges Arbeiten. „Jedes Bild bedarf intensiver Vorbereitung, denn Portrait- Fotografie will gelernt sein“, bestätigt Simone Feuerecker. Das Shooting verläuft reibungslos; die Models intensivieren Blicke, verändern Posen und Gesten auf Zuruf. Es kann sogar noch spontan das vierte Bild gestellt werden - ein Detail aus„Spring“ (Sir Lawrence Alma-Tadema, 1894).

Dreieinhalb Tage waren insgesamt Zeit für die finale Umsetzung. Digitale Bildbearbeitung und Layout, basierend auf dem Entwurf, sind im Anschluss gefragt. Auch hier werden Machbarkeiten überprüft, Ideen verworfen oder neue geboren. Gestaltung am Rechner ist höchst anspruchsvoll und arbeitsintensiv, erfahren die Teams. Ein enormes Zeitmanagement ist also gefragt. Stolz werden am Ende vier Werke präsentiert.

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Vorbild „Selbstporträt beim Malen“ - Elisabeth Vigée-Lebrun

Alina Reisch gestaltete unter fachkundiger Leitung von Marco Gorgosch die Frisur von Madame Lebrun (Melissa Vogl) mit vielen Tressen und einer liebevoll gebundenen Schleife. Burcu Tan, gecoacht von Sabrina Hingel, erstellte den Look der gerade porträtierten Rokoko-Schönheit (Nadine Beetschen) mit Clip-in Extensions und fein aufgezogenen, gepuderten Locken.
Das Design wurde von Sabri Lehiba, Lisa-Marie Maier, Quirin Maier und Verena Pelg erstellt.
„In unserer Interpretation des Bildes haben wir blickführende Kreise entworfen, aufgelöst in Pinselstruktur, um die Aufmerksamkeit auf die Frisuren zu lenken. Zudem parodieren wir das Thema „Selbstbildnis“ und überspitzen es, indem wir das Gemälde im Gemälde als unvollständige Skizze darstellen. Diese Bild-im-Bild Ironie spiegeln auch die vielen Arme wider.“


 

 

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Vorbild „Simonetta Vespucci als Kleopatra“ - Piero di Cosimo

Steffi Stadler kreierte die komplexe Flechtfrisur mit Unterstützung von Sabrina Hingel unter Einsatz von drahtverstärkten Haarteilen. (Modell Rosanna Berisa)  
Marie Raab, Dennis Sandner, Valentin Sirtl und Vitali Zeiser erstellten das Design.
„Im Original sieht man im Hintergrund Landschaft und Bäume. Da dachten wir uns, warum nicht das Ganze modernisieren? So entstand ein Design mit Wolkenkratzern und Wolken. Hochhäuser und Wolken schaffen ein Bindeglied zwischen Person und Hintergrund. Die Farbigkeit im Hintergrund wurde in dunklen blau/anthrazit-Tönen gehalten, um die kunstvoll gestaltete Frisur zu betonen und die königliche Wirkung der Simonetta, welche hier als Kleopatra dargestellt wurde, zu unterstützen. Die farblich reduzierte Haut setzt zudem die Frisur in Szene.“

 

 

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Vorbild „Italia und Germania“ - Friedrich Overbeck

Ramona Schweizer und Julia Roßmeier formten gemeinsam mit Ramona Simmerl die Frisur der Italia (Sila Seckin) aus einem gekreppten Knoten und einem Lorbeerkranz aus Haarfilz. Die Germania (Jasmin Wirth) wurde mit einer aufgezogenen Kordel und Stoffröschen bekränzt. Die Nägel wurden von Franziska Bleyer gestaltet.
Das Motiv wurde von Lara Prasch, Robert Richter, Alexandra Simon und Siegfried Stelzl gestaltet.
„Das Material Zeitung wird in Kostüm und Hintergrund verwendet, so dass der Blick des Betrachters auf die Frisuren gelenkt wird. Dem Kunstwerk soll hiermit eine gewisse Einfachheit und Einheitlichkeit verliehen werden.“


 

 

 

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Vorbild “Spring” - Sir Lawrence Alma-Tadema

Spring ist ein Gemeinschaftswerk aller 13 SchülerInnen der Gruppe 11cG2 mit einer Auswahl an Modellen der vorangegangenden Motiven. Die finale Bearbeitung wurde von Robert Richter und Dennis Sandner durchgeführt.

„Unser Konzept für das Foto bestand darin, vor allem die Frisuren der Models in den Vordergrund zu stellen. Um das zu bewerkstelligen, haben wir die Haare, allerdings auch die Gesichter der Models optisch aufgehellt, um sie zum Strahlen zu bringen. Zugleich haben wir uns dazu entschlossen, uns komplett vom Hintergrund zu trennen. Wir haben stattdessen die Schleife der mittleren Frisur dafür benutzt, die Köpfe der Models in einer Art Wolke schweben zu lassen. Sie erinnert auch ein wenig an Pusteblumen, was thematisch zum ursprünglichen Gemälde "Spring" (Frühling) von Sir Lawrence Alma-Tadema passt.“

Alle Make-ups wurden von Make-up-Artist Andrea Voggensberger zusammen mit Anna Vogl erstellt.

 

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