Geflüchtete und ihre Kleidung

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Kleidung von Flüchtlingen im Fotoblick

Integrative Ausstellung mit vielen Gästen im Kreismuseum eröffnet

 

Bogen. (dw) Zum Ort persönlicher und fotografischer Begegnungen von Kulturen wurde am Sonntag das Kreismuseum auf dem Bogenberg. Die die Geschichte der niederbayerischen Kleidung auf dem Land bereits seit einem Jahr erfolgreich zeigende Ausstellung „Von Kopf bis Fuß“ wurde um das integrative Fotoprojekt „Geflüchtete und ihre Kleidung“ erweitert und sehr anschaulich ergänzt. Mit einer gelungenen Auftaktveranstaltung würdigten in Anwesenheit von sehr vielen Gästen eine Reihe von Laudatoren das Kreismuseum als ein sich erneut präsentierender regionaler und zeitgemäße Themen aufgreifender Kulturträger.

Das integrative Ausstellungsprojekt, entstanden in Kooperation mit der Berufsschule I Außenstelle Bogen  und der Mittwochsfrauengruppe des Freiwilligenzentrums Straubing, verweist, anschaulich eingefangen im Fotoblick, auf das sowohl farbenprächtig festliche Outfit von zu uns geflüchteten Kindern und Erwachsenen wie auch auf deren traditionelle Alltagskleidung.

Selbstverständlich war es Landrat Josef Laumer, der stolz auf das mit seinen jeweils themenbezogenen Ausstellungen überaus erfolgreich Besucher anziehende Kreismuseum, die Veranstaltung eröffnete. Großen Dank schulde man der Mitarbeit einer ganzen Reihe von ehrenamtlich tätigen Frauen und Männern, die zusammen mit der Museumsleiterin Barbara Michal diese Ergänzungsausstellung ausrichteten. Er freue sich, dass unter den Besuchern auch seine beiden Stellvertreter Ferry Eckl und Franz Xaver Stiersdorfer und vor allem viele der jetzt in Straubing und im Landkreis lebenden Fotomodels aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und Afrika seien. Der Landrat schloss: „Das konkrete Beispiel Kleidung bietet sich in ganz eigener Sprache hervorragend zu einer Begegnung verschiedener Kulturen an“.

Kleidung ist ein Ausdruck von Zugehörigkeit

Als Gastgeberin verwies Museumsleiterin Barbara Michal darauf, dass sich die Idee zu diesem neuen Fotokonzept durch den Besuch von Berufsschulklassen aus Bogen mit minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen ergeben hätte. „Kleidung ist ein sichtbares Zeichen für die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kultur, sozialen Gruppe oder Religion und wird heute, besonders in Bezug auf das Kopftuch islamischer Frauen, besonders diskutiert“. Daraus entstünden dann oft solche Klischees wie die Gleichsetzung von Dirndl und Lederhose mit Bayern oder Islam gleich Kopftuch. Zustande gekommen sei das, was man heute bewundern könne, erst durch die Mithilfe der Mittwochsgruppe des Freiwilligenzentrums, die mit sieben islamischen Frauen ins Museum kamen, genauso, wie es sieben minderjährige Flüchtlingsschüler der Außenstelle Bogen mit ihrer Betreuerin taten. Natürlich mussten viele Verständigungsschwierigkeiten überwunden werden, bis die beiden Fotografen Susanne Fesl die Frauen und Wilfried Schaffrath die Männer ablichten konnte. Nun wären die Fotos im Erdgeschoss, im hinteren Treppenhaus und im Treppenaufgang zu bewundern.

Bogens Bürgermeister Franz Schedlbauer lobte das Museum als Aushängeschild der Stadt und des Landkreises. Das an diesem Sonntag eröffnete Fotoprojekt würde dazu beitragen, sich gegenseitig besser kennenzulernen und religiös und kulturell bedingte Eigenheiten zu respektieren. „Unser Museum ist eben der richtige Ort auch dafür, Schwellenängste und Vorurteile abzubauen und den Begriff Integration ganz deutlich mit Leben zu erfüllen“. Diese Vorstellung unterstrich Schaller, der als Mitarbeiter im Freiwilligenzentrum die Aufgabe als Koordinator für Ehrenamtliche im Bereich Asyl wahrnimmt.

Der Freundschaft ein öffentliches Gesicht geben

Das Freiwilligenzentrum wurde anschließend von Isabella Gartner vertreten, einem Mitglied der sogenannten, sich nach ihrem wöchentlichen Treffpunkt nennenden Mittwochsfrauengruppe. „Wir haben unsere Chance erkannt und genutzt, der uns mit Asylbewerbern verbindenden Freundschaft ein öffentliches Gesicht zu geben und positiv auf sie aufmerksam zu machen. Den Tag des Fotoshootings haben wir alle in bester Erinnerung“.

Ganz entsprechend dem Thema der Veranstaltung hatte der Leiter der Bogener Außenstelle der Berufsschule, Studiendirektor Josef Anzinger, die eigentlichen Akteure, nämlich Schüler seiner drei in Bogen untergebrachten BAF-Klasse (das sind berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge) mitgebracht. Alle diese drei BAF-Klassen hätten sich, unterstützt von ihrer Sozialpädagogin Laiber und dem Kollegium begeistert gezeigt, an dem Fotoprojekt teilzunehmen.

Sich die Schicksale vor Augen führen

„Wir haben dann nach einer Teambesprechung die sieben Schüler Ahmadi Mustafa (Afghanistan), Haidary Milad (Afghanistan, Alzamie Yazan (Syrien), Ghusen Ahmad (Syrien), Khalil Jehad (Syrien), Tury Abbas (Pakistan), Vahabzade Ghibola (Afghanistan) ausgewählt. Alle hätten im an den Fototermin anschließendem Interview ihre Fluchtgründe, wie Krieg, Vergewaltigung, Folter, Hunger, Zwangsrekrutierung, Zwangsheirat und mehr geschildert, was auf den ausgestellten Fahnen nachzulesen wäre. „Die ganze Aktion ist eine gute Gelegenheit, mit der Kleidung auch das Schicksal der zu uns Geflüchteten einem weiten Kreis der Bevölkerung vor Augen zu führen.“ Abschließend stellte Anzinger die aktuelle Situation in insgesamt acht BAF-Klassen an den Straubinger Berufsschulen I, II und III, wozu auch die Bogener Außenstelle gehört, und an der FOS vor.

Bevor dann bei lebhaften Gesprächen die Bilder betrachtet wurden und ein kleiner Umtrunk samt fremdländischen Fingerfood-Häppchen für das leibliche Wohl sorgten, berichtete die Afghanin Waheeda Mahmoodi, eine Muslimin aus Kabul, die, wie sie erzählte, noch nie ein Kopftuch getragen habe und auch in keiner Weise dazu gezwungen wurde, gut Deutsch sprechend von ihrem früheren Alltag. Als wunderschönen Farbtupfer stellte sie dabei ihre in heimatliche Festgewänder gewandete Kinder vor.

Straubinger Tagblatt 03.05.2016

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