Bischof Rudolf besucht unsere Berufsschule

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Bischof Rudolf besucht unsere Berufsschule

Im Bistum Regensburg finden sich von der Freien Volksschule bis zum Gymnasium viele Schulen in kirchlicher Trägerschaft - eine Berufsschule ist nicht dabei. Da jedoch unseren Bischof Rudolf Voderholzer auch diese Schulart interessiert, wurde der 1. Oktober 2014 ein ganz besonderer Tag für die Straubinger Berufsschulen. Erstmals besuchte ein Diözesanbischof die Berufsschulen in Straubing und zeigte damit zugleich seine Wertschätzung für das Handwerk.

An der Marianne-Rosenbaum-Schule und der Joseph-von-Fraunhofer-Schule nutzte der Bischof die Gelegenheit, mit Schülern verschiedener Fachklassen sowie mit jungen Asylbewerbern und Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen. Eine Diskussion mit den Schulleitungen der drei Straubinger Berufsschulen sowie Oberbürgermeister Markus Pannermayr und Landrat Josef Laumer über die Situation des Religionsunterrichts rundete den Besuch ab.

Der Besuch begann mit einem feierlichen Schulanfangsgottesdienst in der Pfarrkirche St. Josef, den der Bischof in Konzelebration mit Domkapitular Johannes Neumüller, Pfarrer Hans-Peter Adam, Stadtpfarrer Peter König, Kaplan Markus Daschner, Pfarrer i.R. Adolf Nießner und den Diakonen Willibald Irrgang und Alfred Sagmeister feierte.

Dem feierlichen Anlass entsprechend hatten die Schülerinnen und Schüler der 10. Jahrgangsstufe Floristik zusammen mit Ihren Fachlehrerinnen einen ansprechenden Blumenschmuck angefertigt. Schülerinnen und Schüler der Fachbereiche Landwirtschaft und Kinderpflege beteiligten sich zusammen mit Kolleginnen und Kollegen beider Schulen als Lektoren sowie Ministrantinnen und Ministranten aktiv am Gottesdienst.

Seiner Predigt legte Bischof Rudolf den sogenannten. „Aaron-Segen“ zu Grunde, vor allem die Sätze: „Der Herr behüte Dich. Er wende Dir sein Angesicht zu und sei Dir gnädig“. So wie dieses Schriftwort die Zusage Gottes zeigt, dass sich jeder Einzelne von Gott angenommen fühlen dürfe, so sollten nach den Worten des Bischofs auch die jungen Menschen aufeinander Acht geben. Gott nimmt einen jeden wahr, indem er auf ihn schaue. Gott schaue auf den Menschen, wie ein Liebender, der jedem dazu verhelfen wolle, seinen Weg im Leben zu finden. Es sei dagegen schmerzvoll, wenn sich die Leute wegdrehen und wegschauen. Im Bezug auf das Evangelium (Mt 6,31-34) erwähnte der Bischof, dass durch das Ansehen bei Gott und den Mitmenschen einem alles leichter falle. Der Erfolg könne im Leben mal ausbleiben, trotz Anstrengungen und erbrachter Leistungen. Aus dieser Gewissheit heraus, dass Gott einen anschaut, könne aber kommen was will. Dieses auf einen schauen, trägt im Leben, dieses aufeinander Schauen sollen die Schülerinnen und Schüler weiterschenken. Auf einander schauen sei aber noch einmal etwas anderes, als nur auf jemanden aufpassen. Die Zuwendung des Antlitzes unseres Herrn, sei der größte Segen, den man erhalten könne. Es ist der lebendige Gott, der einem das Leben geschenkt hat, ein wahrhaftiges Gegenüber. Diesen Segen könne ein jeder von uns, durch einander ansehen, dem anderen weiterschenken. Deshalb beendete Bischof Rudolf seine Predigt mit dem Wunsch an die Schülerinnen und Schüler, dass sie sich von Gott in Liebe angeschaut wissen und auf sich und die anderen schauen mögen.

Dass dieses "Aufeinander-Schauen" keine leere Formel bliebt, zeigte der Bischof nach dem Gottesdienst zusammen mit Domkapitular Neumüller und Pfarrer König beim Besuch der Berufsschulen - er hörte den Schülerinnen und Schülern und den Lehrkräfte sehr aufmerksam zu.

An der Marianne-Rosenbaum-Schule besuchten die Gäste nach einer kurzen Gesprächsmöglichkeit mit dem Lehrerkollegium einzelne Klassen verschiedener Ausbildungsrichtungen. So sprach der Bischof bei den Schülerinnen und Schülern der Berufsfachschule für Kinderpflege unter anderem auch die Bedeutung der religiösen Erziehungsarbeit an. Sehr erfreut zeigte er sich, dass auch junge Männer diesen Beruf ergreifen. Offen ging Bischof Rudolf auf die angehenden Landwirte zu, da hier auch seine familiären Wurzeln seien und er die Entwicklung in der Landwirtschaft mit großem Interesse verfolge.

Die Floristik- Auszubildenden der 10. Jahrgangsstufe waren gleich an ihrem ersten Berufsschultag mit der Aufgabe betraut worden, Kirchenschmuck für den Gottesdienst anzufertigen. Über die Vorüberlegungen hierzu sowie ihre Ausbildungssituation konnten sie nun auch im Klassenzimmer berichten. Die Gäste zeigten sich beeindruckt von der Arbeit und Leistungsfähigkeit der Berufsschulen und ganz besonders auch vom offenen und höflichen Verhalten der Berufsschüler. Sowohl für die Besucher als auch die jungen Auszubildenden werden diese Gespräche in angenehmer Erinnerung bleiben.

Während des anschließenden Mittagessens, zubereitet von den berufsschulpflichtigen Asylbewerbern und Flüchtlingen der BAF-Klasse, mit tatkräftiger Unterstützung der Schülerinnen der Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung, gab es Gelegenheit für einen interessierten Gedankenaustausch mit den jungen Flüchtlingen. Große Freude bereiteten die Schüler dem Bischof mit einem selbst gestalteten Kalender. „Es war sehr bewegend, weil die berufsschulpflichtigen Asylbewerber und Flüchtlinge mich hier mit Spezialitäten ihrer Heimatländer verwöhnt haben, es waren sehr liebenswürdige Begegnungen“, so Bischof Rudolf im Anschluss an das multikulturelle Mittagessen.

An unserer Schule besuchte der Bischof eine Fachklasse für Zweiradmechaniker. Früher selber ein Radfahrer würde ihm dieses Vergnügen jetzt durch Rückenprobleme verleidet. Zum Schmunzeln brachte Bischof Voderholzer das Angebot der Fahrradmechaniker, das Problem durch eine Haltungsanalyse am Fahrrad in den Griff zu bekommen. Ein Schüler der Fachklasse für Produktdesigner stellte dem Bischof eine Projektarbeit vor. Besonders beeindruckt war Bischof Rudolf von den Möglichkeiten eines 3-D-Druckers, mit dem die Schülerinnen und Schüler eine Tischlampe angefertigt hatten. Natürlich durfte auch die Frage nach der Begeisterung am Religionsunterricht nicht fehlen, die ein Schüler mit den Worten  "Es ist interessant. Wir nehmen viele Themen und auch andere Konfessionen durch." beantwortete. Es sei wichtig, andere Kulturen zu kennen, aber der Religionsunterricht soll den eigenen Glauben stärken, um den Glauben begründen zu können. Dies sei heute nicht selbstverständlich, so der Bischof.

Zum Abschluss des Besuches fand im Lehrcafé der Schule eine Gesprächsrunde mit Landrat Josef Laumer, Oberbürgermeister Markus Pannermayr sowie den Schulleitungen der drei Straubinger Berufsschulen statt. Hierbei wurden dem Bischof die Bedeutung und die Situation des Religionsunterrichts an den Berufsschulen aus Sicht der Schulen verdeutlicht.

In Straubing gebe es viele positive Entwicklungen für das Handwerk und jeder Schüler sollte mitgenommen werden, betonte Landrat Josef Laumer als Vorsitzender des Berufsschulverbandes. Oberbürgermeister Markus Pannermayr gab zu bedenken, dass im Bildungssystem die unterschiedlichen Ausbildungen häufig mit Wertungen versehen seien, was letztendlich einer Wertung von Menschen gleich komme. Diese dürfe nicht sein.

Für den Bischof ist wichtig, "dass jeder tue, was er kann und wofür er geschaffen ist", denn jeder Beruf sei eine Berufung.

Schulleiter Johann Dilger betonte, dass junge Menschen, also die Berufsschülerinnen und Berufsschüler, konkrete Bezugspersonen – also Religionslehrer - wollen und brauchen, um sich mit dem katholischen Bekenntnis auseinander zu setzen. Die Frage, ob sämtliche Religionsstunden abgedeckt seien, konnte er leider nicht bejahen. Es liege ein eklatanter Lehrermangel in bestimmten Fachbereichen, wie zum Beispiel Metalltechnik, vor und es sei den Ausbildungsbetrieben nicht vermittelbar, dass fachlicher Unterricht zugunsten des Religionsunterrichts ausfalle. Dilger bat um Unterstützung bei der Regierung, damit der Lehrermangel behoben werden kann.

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